Jenseits – Seele

Nahtoderfahrung

Unter einer Nahtoderfahrung versteht man ein Phänomen, das auftreten kann, wenn jemand für begrenzte Zeit dem Tod sehr nahe kommt oder sogar in den Zustand des klinischen Todes gerät, danach aber wieder ins Leben zurückfindet. Menschen, die eine Nahtoderfahrung erleben, haben das Gefühl, ihren eigenen Körper zu verlassen, nach oben zu schweben und das weitere Geschehen aus einer gewissen Höhe zu betrachten. Sie können sich häufig daran erinnern, was sich während der Nahtoderfahrung um sie herum ereignet hat, beispielsweise was über sie gesprochen und mit ihrem Körper getan wurde. Sie empfinden ein großes Wohlbefinden und haben keine Schmerzen. In dieser Phase werden die Sterbenden, so ihre Wahrnehmung, sehr oft in einen dunklen Tunnel gezogen und steuern mit riesiger Geschwindigkeit auf ein hell leuchtendes und Liebe ausstrahlendes Licht zu, das sich am Ende des Tunnels befindet. In diesem Licht erscheint eine Art Lichtwesen, das die absolute Liebe und vollkommenes Wissen verkörpert. In diesem Stadium kommt es bei Erwachsenen häufig zu einer Lebensrückschau. Wie im Zeitraffer wird das ganze Leben nochmals nachempfunden. In Gegenwart des Lichtwesens werden alle Szenen wieder aus der eigenen Perspektive erlebt, aber ebenso aus dem Blickwinkel der Menschen, die an dem jeweiligen Ereignis beteiligt waren. Die Nahtoderfahrung endet mit dem Wiedereintritt in den Körper, der nicht selten gegen den eigenen Willen erfolgt.

Nach einer Studie aus dem Jahr 1999 haben ungefähr 4,3 Prozent der befragten Personen bereits eine Nahtoderfahrung gemacht. Die Gesamtzahl von US-Amerikanern, die in ihrem Leben bereits eine Nahtoderfahrung durchlebt haben, wird auf ca. 15 Mio. geschätzt. Dies entspricht in etwa 5 Prozent der amerikanischen Bevölkerung.

Zum Thema Nahtoderfahrung wurden auch verschiedene wissenschaftliche Studien durchgeführt. Der britische Herzspezialist Sam Parnia hat 2001 in der Fachzeitschrift „Resuscitation“ eine Studie publiziert, in der bei 63 Überlebenden von Herzstillständen die qualitativen Merkmale, Häufigkeit und möglichen Ursachen von Nahtoderfahrungen untersucht wurden.
11 Prozent der Überlebenden berichteten über Erinnerungen, wobei die Mehrzahl charakteristisch für Nahtoderfahrungen war.

Die bekannteste Studie auf diesem Gebiet ist die „van Lommel-Studie“ aus den Niederlanden, die 2001 in der renommierten medizinischen Fachzeitung „The Lancet“ publiziert wurde. In diese Untersuchung wurden 344 Herzpatienten einbezogen, die in 10 niederländischen Kliniken erfolgreich reanimiert worden waren. 18 Prozent der untersuchten Patienten berichteten über ein Nahtoderlebnis. Für den Kardiologen van Lommel reichen physiologisch-medizinische Erklärungen für die Nahtoderfahrung nicht aus. Wenn solche Erlebnisse allein durch einen Sauerstoffmangel im Gehirn hervorgerufen würden, dann müssten die meisten der klinisch toten Patienten über eine solche Erfahrung berichten. Die konventionelle Medizin interpretiert Nahtoderfahrung meist als das Resultat absterbender Hirnzellen, eventuell durch eine Entgleisung von Nervenbotenstoffen.

In weiteren Publikationen nach der Lancet-Studie hat van Lommel ein Erklärungsmodell für die Nahtoderfahrung vorgestellt, das weit über medizinische Erklärungsversuche hinausgeht. Dabei hat er auch Erkenntnisse aus der Quantenphysik mit einbezogen. Nach van Lommel können Nahtoderfahrungen nur erklärt werden, wenn wir annehmen, dass Bewusstsein gemeinsam mit allen unseren Erfahrungen und Erinnerungen außerhalb des Gehirns lokalisiert ist. Van Lommel nimmt an, dass es eine Dimension gibt, in der diese Information gespeichert ist – eine Art von kollektivem Bewusstsein, auf das wir uns einstimmen, um den Zugang zu unserer Identität und unseren Erinnerungen zu gewinnen.

Mittels dieses kollektiven Bewusstseinsfeldes sind wir nicht nur mit unseren eigenen Informationen verbunden, sondern auch mit denen anderer und sogar mit Informationen aus der Vergangenheit und Zukunft. Bewusstsein und Erinnerungen können als Bewusstseinsfelder betrachtet werden, vergleichbar mit nichtlokalen Quantenfeldern ohne Zeit und Raum sowie mit universaler Verbundenheit. Van Lommel vermutet, dass die DNA, die für jeden Menschen und Organismus einzigartig ist, wie ein Empfangsmechanismus, eine Art von Simultanübersetzer zwischen den Informationsfeldern und dem Organismus, funktioniert.

Die Idee, dass die DNA wie ein Empfangsmechanismus arbeitet, um Menschen mit ihrem jeweils besonderen Bewusstseinsfeld in Übereinstimmung zu bringen, wirft auch ein neues Licht auf die Diskussion über Organtransplantation. Die DNA des transplantierten Herzens wird sich auf das Bewusstseinsfeld des Spenders einstellen, nicht auf das des Empfängers. Das würde bedeuten, dass wir plötzlich andere Informationen bekommen. Es gibt ja verschiedene Berichte von Menschen, die nach einer Organtransplantation gänzlich verschiedene Wünsche und Lebensstile entwickelt haben im Vergleich zu ihrem bisherigen Leben.

Physik und Jenseits

Verschränkung

Das Verschränkungsprinzip besagt Folgendes: Ändert ein Teilchen seinen Zustand, so erfolgt diese Änderung zum exakt gleichen Zeitpunkt auch bei den anderen. Diese Verschränkung bleibt sogar dann erhalten, wenn die Wechselwirkung weit in der Vergangenheit stattgefunden hat und die Teilsysteme inzwischen über eine große Distanz getrennt sind.

Dazu der Physiker Jack Scarfatti: „Es gibt keinen Zweifel mehr, dass kleinste Teilchen, wie Photonen, Elektronen, Protonen in Wirklichkeit noch eine Feinstruktur besitzen, in der ihr materieller Charakter sich in Schwingungsvorgänge im energiegefüllten Raum auflöst. Quanten sind dabei die kleinsten gedachten Schwingungseinheiten.“

Nichtlokalität

Nichtlokalität besagt, dass das, was an einer Stelle geschieht, zeitgleich Einfluss auf die Geschehnisse an einem anderen Ort hat. Aus der Quantentheorie geht hervor, dass Quanten an verschiedenen Orten gleichzeitig sein können.
Die Nichtlokalität ist sozusagen ein Hinweis auf die Möglichkeit von Omnipräsenz und Ewigkeit.

Im August 2008 wurde im Wissenschaftsmagazin „Nature“ über die Ergebnisse von Quantenexperimenten Genfer Physiker berichtet. Die Arbeitsgruppe um Professor Nicolas Gisin hatte mit einem Experiment versucht, die Geschwindigkeit der Quanteninformation zu bestimmen. Dabei wurden in ihrem Genfer Labor Paare miteinander verschränkter Photonen erzeugt und durch jeweils 17,5 km lange Glasfaserkabel geschickt. Das Ergebnis der Messreihen ergab schließlich eine Geschwindigkeit, die mindestens 10.000 mal größer sein musste als die des Lichts. Dabei dürfte es sich eher um eine Untergrenze handeln. Einer der Mitautoren der Studie sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: „Ich glaube, dass die Geschwindigkeit in Wirklichkeit unendlich ist.“

Quantentheorie und Bewusstsein

Aussagen von Professor Dr. Thomas Görnitz, Schüler von Carl Friedrich von Weizsäcker in einem Vortrag zum Thema „Quantentheorie und Bewusstsein“:

„Ich könnte mir vorstellen, dass die Kondensation der kosmischen Information zu dem, was wir Materie und Licht nennen, nur einen gewissen Prozentsatz betrifft, und dass das meiste der kosmischen Informationen gar nicht lokalisiert ist. Gar nicht in Form von Teilchen und Feldern auftritt, sondern einfach schlicht so da ist. Dass dies die Raumstruktur liefert. Oder dass das, was wir als Gravitation bezeichnen, etwas wäre, was genau von dieser Art ist. Was universell ist, überall vorhanden, alles durchdringend. Das Vakuum ist eigentlich die Fülle, eigentlich ist das Vakuum alles. Das, was wir wahrnehmen, ist die Welle, das Kräuseln auf dem Vakuum. Und es könnte sein, dass es wesentlich mehr gibt, als das, was lokalisiert ist. Aber ob die Gehirne Geräte sind, die an nichtlokale Informationen ankoppeln können, das weiß ich überhaupt nicht. Das ist wahnsinnig spekulativ, und da sollte man lieber vorsichtig sein. Aber ich sehe keinen a-priori-Grund, das überhaupt nicht erwägen zu können.“

Der renommierte amerikanische Hirnforscher Christoph Koch betont in seinem grundlegenden Werk „Bewusstsein – ein neurobiologisches Rätsel“, dass nur die neurobiologischen Korrelate des Bewusstseins Gegenstand der Erforschung sind, nicht das Bewusstsein selbst. Christoph Koch bemerkt in einer Fußnote des genannten Buches, er hege viel Sympathie für den Glauben, dass im Zentrum des Bewusstseins eine transzendente und unsterbliche Seele steht.